Teil 2 / Das System
Kapitel 6
Der Bruch von 1971
Manche Daten in der Geschichte feiert man nicht laut. Sie haben keinen Feiertag, sie stehen in keinem Kalender, sie tauchen in keinem deutschen Lehrplan auf. Und doch haben sie die Welt, in der wir heute leben, tiefer verändert als die meisten Ereignisse, die wir an Gedenktagen begehen. Eines dieser Daten ist der 15. August 1971.
An diesem Sonntagabend in den Vereinigten Staaten trat Präsident Richard Nixon im Fernsehen vor sein Volk und kündigte ein Maßnahmenpaket an, das in der Tagespresse vor allem unter dem Schlagwort Nixon-Schock bekannt geworden ist. Es enthielt Lohn- und Preiskontrollen, eine zehnprozentige Importabgabe und einige weitere Punkte. Aber der eine Satz, auf den es ankam, war fast unscheinbar formuliert. Die Vereinigten Staaten setzten die Verpflichtung, Dollar in Gold zu tauschen, vorübergehend aus. Temporary suspension. Vorübergehend ist sie bis heute. Mehr als fünf Jahrzehnte später. Die Redewendung, dass nichts so dauerhaft sei wie eine vorübergehende staatliche Maßnahme, hat in diesem Vorgang ihr Lehrbuchbeispiel.
Um zu verstehen, was an diesem Abend wirklich geschah, muss man kurz zurückgehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die freie Welt 1944 in einem kleinen Ort in New Hampshire auf eine neue Geldordnung verständigt. Die Konferenz fand in einem Hotel namens Mount Washington statt, gelegen in der Ortschaft Bretton Woods. Die zentrale Idee dieses Bretton-Woods-Systems war eine doppelte Bindung. Die wichtigste Reservewährung der Welt sollte der US-Dollar sein, und der US-Dollar wiederum sollte zu einem festen Kurs an Gold gebunden bleiben. Fünfunddreißig US-Dollar je Feinunze. Die Notenbanken anderer Länder konnten ihre Dollarbestände jederzeit bei der amerikanischen Zentralbank in Gold eintauschen. Damit war über einen Umweg auch das Geld der übrigen Teilnehmerstaaten, der D-Mark, des britischen Pfunds, des französischen Franc, an die letzte verbliebene physische Disziplin gebunden. Niemand konnte beliebig viel Geld drucken, ohne dass dies früher oder später in Form von Goldabflüssen aus den eigenen Reserven sichtbar geworden wäre.
Dieses System funktionierte über zwei Jahrzehnte hinweg verhältnismäßig gut. Die Welt erholte sich wirtschaftlich vom Krieg, das deutsche Wirtschaftswunder fand statt, der internationale Handel wuchs, die Preise blieben über lange Strecken weitgehend stabil. Es gab natürlich Probleme, niemand sollte das verklären, aber das Geld war im Vergleich zu dem, was später kommen sollte, eine erstaunlich solide Größe.
Was das System ins Wanken brachte, war eine Kombination aus zwei Entwicklungen, die in den sechziger Jahren immer deutlicher wurden. Auf der einen Seite die ausufernden Staatsausgaben der Vereinigten Staaten, vor allem für den Vietnamkrieg, der von 1955 bis 1975 geführt wurde und der ungeheure Summen verschlang. Auf der anderen Seite die umfangreichen Sozialprogramme der amerikanischen Innenpolitik, die unter dem Stichwort Great Society in den Jahren ab 1964 in Gang gesetzt wurden. Beides zusammen konnten die Vereinigten Staaten aus regulären Einnahmen nicht finanzieren. Die Lösung war, mehr Dollar zu schaffen, als durch Gold gedeckt waren. Es war eine schleichende Lockerung der Goldbindung, die zunächst von außen kaum sichtbar war.
Wer aber genauer hinsah, sah sehr wohl, was geschah. Vor allem die europäischen Notenbanken, die genau wussten, wie viele Dollar im Umlauf waren und wie viel Gold dem in Fort Knox gegenüberstand. Frankreich, unter Präsident Charles de Gaulle, begann in den späten sechziger Jahren systematisch, seine Dollarbestände in Gold zu tauschen. Andere Länder folgten. Es war ein leiser Run auf die amerikanischen Goldreserven, der sich Jahr für Jahr verstärkte. Den Vereinigten Staaten wurde klar, dass sie das Versprechen, jeden Dollar zu fünfunddreißig je Feinunze in Gold einzutauschen, nicht mehr lange würden einhalten können. Es waren mehr Dollar in der Welt, als sie Gold hatten, und der Abstand wuchs.
An diesem Punkt hatte Nixon die Wahl zwischen zwei sehr unbequemen Möglichkeiten. Er hätte die Staatsausgaben drastisch reduzieren, die Geldmenge straffen und das Bretton-Woods-System retten können. Das hätte eine harte Rezession bedeutet, hohe Arbeitslosigkeit, das Ende vieler politischer Versprechen, vermutlich auch das Ende seiner Präsidentschaft. Oder er konnte den umgekehrten Weg gehen und die Goldbindung schlicht aufheben. Damit waren die Dollar, die im Umlauf waren, nicht mehr durch Gold gedeckt, sondern nur noch durch das Versprechen der amerikanischen Regierung. Niemand konnte sie mehr eintauschen. Niemand konnte die Goldreserven mehr abziehen. Das System der Welt würde sich darauf einstellen müssen oder zusammenbrechen.
Nixon wählte den zweiten Weg. Was als vorübergehend angekündigt war, wurde dauerhaft. Mit der Aufhebung der Goldkonvertibilität endete an diesem Sonntagabend nicht nur das Bretton-Woods-System, sondern eine Ordnung, die über Jahrhunderte das Geld der westlichen Welt geprägt hatte. Zum ersten Mal seit Menschengedenken lebte die ganze entwickelte Welt in einem Geldsystem, das keinerlei Bindung mehr an etwas Knappes hatte. Was ein Dollar wert war, hing fortan nicht mehr davon ab, was an Gold dahinterstand, sondern nur noch davon, was die amerikanische Notenbank bereit war zu drucken, und davon, was die Welt bereit war zu glauben.
Was eine solche Verschiebung in Folgen auslöst, lässt sich nicht in einem Satz beschreiben. Aber man kann es in einigen wenigen Zahlen sichtbar machen, die sich seit 1971 in einer Weise entwickelt haben, die vor 1971 unvorstellbar gewesen wäre. Die umlaufende Dollarmenge, gemessen am Aggregat M2, hat sich seither mehr als verdreißigfacht. Der Goldpreis hat sich in Dollar gemessen mehr als verfünfzigfacht, was nichts anderes heißt, als dass der Dollar gegenüber Gold etwa um diesen Faktor an Wert verloren hat. Die Konsumgüterpreise, also das, was wir Inflation nennen, sind seit 1971 in einem Tempo gestiegen, das in den Jahrhunderten davor unbekannt war. Was vorher in einem schmalen Korridor schwankte, hat sich nach 1971 in eine ununterbrochene Bewegung nach oben verwandelt.
Diese Zahlen sind nur die Oberfläche. Wer verstehen will, was nach 1971 wirklich geschehen ist, muss tiefer hinunter, zu den Mechanismen, die diese Zahlen erzeugen. Es gibt einen ökonomischen Effekt, der in der Bitcoin-Diskussion eine wichtige Rolle spielt und der die meisten Menschen, die zum ersten Mal davon hören, in eine fassungslose Stille versetzt. Er heißt Cantillon-Effekt.
Richard Cantillon war ein irischstämmiger Bankier, Kaufmann und Ökonom, der zwischen ungefähr 1680 und 1734 lebte. Er hatte in Paris ein Bankhaus, wurde im Zusammenhang mit den Spekulationen um John Laws Mississippi-Kompanie reich, kam später nach London und schrieb dort ein erstaunliches Buch mit dem Titel Essai sur la nature du commerce en général. Es erschien erst nach seinem Tod, im Jahr 1755, und blieb lange Zeit ein Geheimtipp unter Ökonomen, bis es im neunzehnten Jahrhundert wiederentdeckt wurde. In diesem Buch beschreibt Cantillon einen Vorgang, der so einfach und gleichzeitig so weitreichend ist, dass man sich fragt, warum er nicht zum Allgemeinwissen jedes ökonomisch interessierten Menschen gehört.
Wenn in einer Volkswirtschaft die Geldmenge ausgeweitet wird, dann verteilt sich dieses neue Geld nicht gleichmäßig über alle Menschen. Es betritt das System an einer bestimmten Stelle, fließt von dort durch bestimmte Kanäle, und erreicht erst nach und nach die übrigen Bereiche der Wirtschaft. Wer das neue Geld als erster in die Hand bekommt, kann damit Güter zu den alten Preisen kaufen, denn die Preise haben sich an die neue Geldmenge noch nicht angepasst. Wer das neue Geld erst spät erreicht, sieht zuerst die gestiegenen Preise und bekommt das zusätzliche Geld dann, wenn es bereits an Kaufkraft verloren hat. Das Ergebnis ist eine systematische Umverteilung von denen am Ende der Kette zu denen am Anfang.
Wer steht am Anfang? Die Notenbank, der Staat, der das Geld zuerst ausgibt, die Geschäftsbanken, denen es zu sehr günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt wird, die großen Finanzinstitutionen, die mit diesem Geld arbeiten, und die ersten Empfänger staatlicher Aufträge, Subventionen, Förderungen. Wer steht am Ende? Der Rentner mit seinem Sparbuch, der Arbeiter mit seinem regulären Gehalt, der mittelständische Unternehmer, der seine Preise erst dann anheben kann, wenn seine eigenen Kosten längst gestiegen sind, die Familie, die sparen will und sich plötzlich fragt, warum das Sparen nicht mehr trägt.
Das ist der Cantillon-Effekt. Es ist kein Verschwörungsmodell. Es ist eine logische Folge dessen, wie neues Geld sich in einer Volkswirtschaft tatsächlich ausbreitet. Es ist seit dreihundert Jahren beschrieben. Es ist seit dreihundert Jahren empirisch beobachtbar. Es ist in unseren Schulen, in unseren Universitäten, in unseren Medien praktisch nicht vorhanden. Und es ist der Schlüssel zum Verständnis dessen, was seit 1971 geschehen ist. Wer fragt, warum die Reichen seither immer reicher und die Mittelschicht systematisch ärmer geworden ist, findet hier eine Antwort, die nichts mit bösen Absichten zu tun hat, sondern mit der Mechanik des Geldsystems selbst. Wer einmal das neue Geld zuerst erreicht, ist strukturell im Vorteil. Wer am Ende der Kette sitzt, wird strukturell enteignet. Es muss niemand stehlen, damit Eigentum verloren geht. Es reicht, dass die Geldmenge wächst.
Dieser Vorgang wirkt nicht nur auf die Vermögensverteilung. Er wirkt tiefer, weil er das Verhalten der Menschen verändert. Hier kommt ein Begriff zurück, den wir im vorigen Kapitel schon kennengelernt haben, am Beispiel der Großmutter mit ihrem Kiosk. Die Zeitpräferenz. In einem Geld, das seinen Wert behält, lohnt es sich zu sparen. Wer heute auf etwas verzichtet, hat morgen noch dieselbe Kaufkraft, vielleicht sogar mehr, weil die Wirtschaft produktiver geworden ist und die Preise im Verhältnis zu den Löhnen leicht gesunken sind. Sparen wird belohnt. Wer spart, schafft die Grundlage für Investitionen, für Unternehmensgründungen, für Hauskäufe ohne große Schulden, für eine ruhige Lebensplanung über mehrere Jahrzehnte hinweg. Es ist die ökonomische Voraussetzung für das, was die Österreichische Schule eine niedrige Zeitpräferenz nennt. Man kann sich Zukunft vorstellen, weil das, was man heute zurücklegt, morgen noch da ist.
In einem Geld, das systematisch an Wert verliert, kippt diese Logik. Sparen wird bestraft. Wer heute auf etwas verzichtet, hat morgen weniger, weil das Geld in der Zwischenzeit weniger geworden ist. Wer sich klug verhält in diesem System, konsumiert heute, weil heute der Wert noch da ist. Wer noch klüger ist, macht Schulden, weil die Schulden mit der Zeit ebenfalls an realem Wert verlieren. Die ehrlichen Tugenden, Sparsamkeit, Vorsicht, Bescheidenheit, langfristiges Denken, werden in einem solchen System nicht etwa belohnt, sondern bestraft. Wer ihnen folgt, verliert. Wer ihnen widerspricht und stattdessen schnell konsumiert, sich verschuldet, in Vermögenswerte flüchtet, die selbst inflationär aufgebläht werden, gewinnt.
Das ist eine ungeheuer wichtige Erkenntnis, weil sie zeigt, wie tief ein Geldsystem in eine Gesellschaft hineinwirkt. Es geht nicht nur darum, dass eine Zahl auf einem Konto über Jahrzehnte ihren Inhalt verliert. Es geht darum, dass die gesamte Werteordnung einer Gesellschaft kippt, weil die ökonomischen Anreize sich umgekehrt haben. Eine Generation, die in einem Geld lebt, das im Wert verliert, lernt, dass Geduld eine Dummheit ist. Sie lernt, dass Verzicht für die Dummen ist. Sie lernt, dass derjenige gewinnt, der heute konsumiert und morgen die Rechnung jemand anderem überlässt. Sie lernt, dass langfristige Bindungen wie Ehen, Familien, langfristige berufliche Verpflichtungen, eigene Häuser, eigene Unternehmen, eigene Vermögen aufzubauen, ein riskanter und oft sinnloser Aufwand ist, weil das, worauf man sich einlässt, sich unter den Füßen verschiebt.
Mir kommt an dieser Stelle eine Geschichte aus meiner eigenen Familie in den Sinn, die mir sehr deutlich zeigt, was hier eigentlich geschieht. Meine Mutter ist in einer Welt aufgewachsen, in der eine ganz bestimmte Vorstellung von einem gelungenen Leben galt. Streng dich an. Bau ein Haus für dich und deine Familie. Schaffe ein Fundament für deine Kinder, damit sie es einmal besser haben als du. Diese Vorstellung galt nicht nur in meiner unmittelbaren Familie, sondern in der ganzen weiteren Verwandtschaft, in den Familien der Tanten und Onkel, in der Großelterngeneration. Sie war so selbstverständlich, dass sie nicht ausgesprochen werden musste. Man lebte sie.
Meine Mutter hat genau das getan. Sie hat ein Haus gebaut. Aus familiären Gründen mussten wir später in eine weiter entfernte Region umziehen, und sie hat dort ein zweites Haus gebaut. Die Ernüchterung kam, als sie das erste Haus verkaufen musste. Es war ein schönes kleines Anwesen in Bayern, am Waldrand gelegen, mit einem weiten Blick über die Landschaft. Kein Ballungsraum, aber ein wirklich angenehmes Stück Land mit einem fast neuwertigen Haus darauf. Ende der achtziger Jahre verkaufte sie es für einen Betrag, der damals eine ernsthafte Hauskaufsumme war.
Wer heute, mit den Preisen, die für solche Lagen in Bayern verlangt werden, auch nur ungefähr nachrechnet, was der damalige Verkaufserlös an Kaufkraft verkörperte und was er heute, in Euro umgerechnet und um die seither gestiegenen Preise bereinigt, noch wert wäre, der spürt den Verfall des Geldwertes am eigenen Leib. Es ist nicht so, dass meine Mutter ein schlechtes Geschäft gemacht hätte. Sie hat den Preis bekommen, der damals üblich war. Es ist auch nicht so, dass jemand ihr etwas weggenommen hätte. Die Summe wurde ihr ausbezahlt, in damals harten D-Mark. Das, was sich verändert hat, ist nicht die Summe selbst, sondern das, was diese Summe bedeutet. Wer Ende der achtziger Jahre den Gegenwert eines schönen Einfamilienhauses in der Hand hielt, hatte eine ernsthafte Hauskaufsumme. Wer denselben Betrag heute, in Euro umgerechnet, in der Hand hält, hat allenfalls eine Anzahlung. Das, was den Wert ausgemacht hat, ist über die Jahrzehnte still verschwunden, ohne dass jemand sichtbar daran beteiligt gewesen wäre.
Diese Erfahrung haben in den vergangenen Jahrzehnten Millionen von Familien gemacht. Es ist die alltägliche Form, in der das funktioniert, was in den Statistiken als Inflation auftaucht. Es ist nicht eine abstrakte Zahl, sondern es sind verlorene Lebensjahre. Es sind Anstrengungen, die nicht das hinterlassen haben, was sie hätten hinterlassen können. Es sind Werte, die jemand erarbeitet hat und die im Lauf der Zeit auf eine Weise erodiert sind, die niemand vorhergesehen hatte, weil das selbstverständliche Weltbild diese Erosion nicht vorsah.
Wenn man all das zusammensieht, die Geldmengenausweitung, den Cantillon-Effekt, die Verschiebung der Zeitpräferenz, die Erosion langfristiger Werte, dann beginnt man zu verstehen, was es wirklich heißt, dass im August 1971 die Bindung des Geldes an etwas Knappes aufgehoben wurde. Es war nicht eine technische Entscheidung. Es war eine zivilisatorische Verschiebung, deren Folgen sich über mehrere Generationen entfalten und die wir auch ein halbes Jahrhundert später noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß erfasst haben. Die Welt, in der wir heute leben, ist nicht die normale Welt der Menschheitsgeschichte. Sie ist eine sehr junge Anomalie, gerechnet an den Maßstäben der Geldgeschichte, und sie hat alle Eigenschaften einer Übergangsphase. Was nach dieser Übergangsphase kommen wird, ist offen. Was sicher ist, ist, dass die Phase selbst nicht ewig dauern kann.
An dieser Stelle möchte ich einen Gedanken einführen, der für alles Weitere wichtig ist. Diejenigen, die heute über das Geld der Welt entscheiden, also die großen Notenbanken, die Regierungen, die internationalen Institutionen, sind nicht allmächtig. Sie können viele Dinge tun. Sie können die Zinsen senken und heben. Sie können Geld in das System pumpen. Sie können Banken stützen und Märkte beruhigen. Sie können sogar, in einem gewissen Rahmen, die Wahrnehmung ihres eigenen Handelns beeinflussen. Was sie aber nicht können, ist, bestimmte grundlegende Gegebenheiten der Welt aufzuheben.
Sie können Geld drucken, aber sie können keine Energie aus dem Nichts erzeugen. Sie können Preise dekretieren, aber sie können nicht festsetzen, wie viel Arbeit nötig ist, um ein Haus zu bauen, ein Lebensmittel zu produzieren, eine Krankheit zu heilen. Sie können die Zeit nicht anhalten, sie können keine zusätzlichen Stunden in einen Tag schreiben. Sie können nicht entscheiden, wie viel Eisenerz auf der Erde existiert, wie viel fruchtbarer Boden zur Verfügung steht, wie viele Menschen geboren werden und wie alt sie werden. Sie operieren in einer Wirklichkeit, deren Grenzen sie nicht gemacht haben und nicht setzen können. Diese Grenzen sind älter als jede Notenbank und werden jede Notenbank überdauern.
Es gibt eine Wirklichkeit, die unverhandelbar ist. Eine Wirklichkeit aus Energie, aus Zeit, aus Knappheit, aus Materie, die sich nicht durch politische Beschlüsse aus der Welt schaffen lässt. Diese Wirklichkeit wird in jedem Moment, in dem wir leben, von uns vorausgesetzt. Wir merken sie nur deshalb nicht ständig, weil sie so selbstverständlich da ist. Aber sie ist der eigentliche Maßstab, an dem jedes Geldsystem, jede Wirtschaft, jede Gesellschaft am Ende gemessen wird. Und sie ist der Grund, warum es so etwas wie menschliche Freiheit überhaupt geben kann. Nur in einer Welt, die nicht beliebig gemacht werden kann, hat es einen Sinn, frei zu handeln.